AI Max ersetzt Dynamic Search Ads – und zwar nicht auf freiwilliger Basis, sondern per automatischer Migration ab Februar 2027. Wer heute noch DSA-Anzeigengruppen betreibt, hat damit ein festes Ablaufdatum im Kalender. Die Umstellung klingt nach einem technischen Detail, sie verändert aber grundlegend, wie viel Kontrolle du über Suchbegriffe, Anzeigentexte und Zielseiten behältst. Und die unabhängigen Zahlen aus dem laufenden Jahr zeichnen ein deutlich gemischteres Bild als die offiziellen Ankündigungen.
Kurz & knapp
- Die automatische Umstellung von Dynamic Search Ads auf AI Max läuft vom 1. bis 28. Februar 2027. Ab dann lassen sich keine neuen DSA-Anzeigengruppen mehr anlegen.
- Google nennt rund 14 Prozent mehr Conversions bei vergleichbarem CPA. Eine unabhängige Auswertung von über 250 Kampagnen zeigt dagegen ein Umsatzplus von 13 Prozent bei gleichzeitig 16 Prozent höherem CPA.
- Kampagnen mit automatisch erstellten Assets und kampagnenweitem Broad Match werden bereits seit September 2026 umgestellt. Dieser Teil ist nicht verschiebbar.
Was AI Max überhaupt ist
AI Max ist kein neuer Kampagnentyp, sondern eine Einstellung innerhalb bestehender Suchkampagnen. Aktivierst du sie, übernimmt Googles System drei Aufgaben, die bisher bei dir lagen: Es sucht eigenständig nach passenden Suchanfragen, auch jenseits deiner hinterlegten Keywords. Es formuliert Anzeigentitel und Beschreibungen neu, basierend auf deinen Zielseiten und vorhandenen Assets. Und es wählt pro Suchanfrage die Landingpage aus, die es für am besten geeignet hält.
Genau das hat Dynamic Search Ads bisher schon in Teilen gemacht – allerdings in einem klar abgegrenzten Rahmen. DSA war die Ausnahme neben deinen Keyword-Anzeigengruppen. AI Max hebt diese Trennung auf und legt die Logik über die gesamte Kampagne. Der Unterschied ist weniger technischer als struktureller Natur: Du steuerst nicht mehr über Keywords, sondern über Signale – Zielseiten, Assets, Conversion-Daten und Ausschlüsse.
Für Unternehmen mit sauber gepflegten Konten ist das ein Effizienzgewinn. Für Konten, in denen Tracking lückenhaft ist oder Landingpages inhaltlich unscharf sind, wird es zum Risiko. Das System optimiert schliesslich auf das, was es messen kann – und wenn es die falschen Signale bekommt, skaliert es den Fehler.
Der Zeitplan: Was wann passiert
Google hat die ursprünglich für September 2026 geplante Frist verschoben und begründet das offen mit Rückmeldungen aus dem Markt: Werbetreibende brauchten mehr Zeit für die Umstellung. Diese Verlängerung gilt allerdings ausschliesslich für Dynamic Search Ads – nicht für alle betroffenen Kampagnentypen.
| Zeitpunkt | Was passiert | Handlungsbedarf |
|---|---|---|
| Ab September 2026 | Hinweise im Konto, die zur freiwilligen Umstellung von DSA auf AI Max auffordern | Testen, nicht überstürzen |
| Ab September 2026 | Automatische Umstellung von Kampagnen mit automatisch erstellten Assets und kampagnenweitem Broad Match | Bereits laufend – Konto prüfen |
| 15. Januar 2027 | Erinnerungsbenachrichtigung an alle Konten mit verbliebenen DSA-Anzeigengruppen | Letzte Vorbereitungsphase |
| 1. bis 28. Februar 2027 | Automatische Migration; neue DSA-Anzeigengruppen können nicht mehr erstellt werden | Umstellung muss abgeschlossen sein |
Der wichtigste Punkt in dieser Tabelle ist die zweite Zeile. Viele Verantwortliche haben die Verschiebung als generelle Entwarnung gelesen und den September abgehakt. Wer aber automatisch erstellte Assets nutzt oder Broad Match auf Kampagnenebene eingestellt hat, ist bereits jetzt betroffen – ohne dass es einer aktiven Entscheidung bedurft hätte.
Was Google verspricht und was unabhängige Daten zeigen
Hier wird es interessant, weil die Zahlen auseinandergehen. Google gibt an, dass Werbetreibende mit aktiviertem AI Max typischerweise 14 Prozent mehr Conversions oder Conversion-Wert bei ähnlichem CPA beziehungsweise ROAS erzielen. Eine spend-gewichtete Auswertung über 44 Werbetreibende nennt eine Conversion-Steigerung von rund 13,6 Prozent. Microsoft meldet für seine eigene AI-Max-Variante mindestens 8 Prozent mehr Conversions gegenüber Kontrollkampagnen.
Unabhängige Auswertungen kommen zu einem differenzierteren Ergebnis. Eine Analyse von über 250 Google-AI-Max-Kampagnen zeigt einen Median-Umsatzzuwachs von 13 Prozent – bei einem gleichzeitig um 16 Prozent gestiegenen CPA. Anders gesagt: Es kommt mehr Umsatz herein, aber jede Conversion kostet mehr. Innerhalb derselben Kampagnen lieferte der AI-Max-Traffic zudem einen um 35 Prozent geringeren ROAS als die klassischen Match-Types, verbunden mit einem niedrigeren durchschnittlichen Bestellwert.
| Kennzahl | Angabe von Google | Unabhängige Auswertung |
|---|---|---|
| Conversions / Umsatz | rund +14 Prozent | Median +13 Prozent Umsatz |
| Kosten pro Conversion | ähnlich | Median +16 Prozent |
| ROAS im Vergleich zu anderen Match-Types | keine Angabe | rund 35 Prozent niedriger |
| Zufriedenheit in der Praxis | keine Angabe | 16 Prozent berichten gute Ergebnisse |
Besonders aufschlussreich ist die letzte Zeile: Eine Befragung unter aktiv arbeitenden PPC-Fachleuten ergab, dass nur 16 Prozent von guten Resultaten mit AI Max berichten. Die übrigen 84 Prozent bewerten das Ergebnis als neutral oder negativ. Das ist kein Beweis dafür, dass AI Max nicht funktioniert – aber ein starker Hinweis darauf, dass es nicht von selbst funktioniert.
Die drei Voraussetzungen, ohne die AI Max scheitert
Aus den vorliegenden Tests lassen sich drei Bedingungen ableiten, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Sie sind unspektakulär, werden aber in vielen Konten nicht erfüllt.
Erstens: genügend Conversion-Signal. Das System braucht Datenpunkte, um zu lernen. Kampagnen mit einer Handvoll Conversions pro Monat geben ihm nichts, woran es sich orientieren kann. Als Faustregel aus der Praxis gilt ein Tagesbudget von etwa dem Fünfzehnfachen des Ziel-CPA, damit sich die Leistung stabilisiert. Bei einem Ziel-CPA von 40 Franken wären das rund 600 Franken pro Tag – eine Grössenordnung, die viele kleinere Konten schlicht nicht erreichen.
Zweitens: saubere Zielseiten. AI Max wählt die Landingpage selbst aus und formuliert Anzeigentexte aus deren Inhalt. Wenn deine Website Leistungsseiten mit überlappenden Inhalten hat, unklare Überschriften verwendet oder veraltete Preisangaben enthält, landet genau das in deinen Anzeigen. Eine Aufräumaktion auf der Website ist damit Teil der Ads-Vorbereitung geworden – nicht mehr nur eine SEO-Frage.
Drittens: aktive Ausschlüsse. Weil das System eigenständig neue Suchanfragen erschliesst, brauchst du eine gepflegte Liste ausschliessender Keywords und – wo sinnvoll – Markenausschlüsse. Ohne diese Leitplanken zieht AI Max Budget in informationsgetriebene Suchanfragen ab, die keine Anfrage erzeugen.
Was du in den nächsten Wochen konkret tun solltest
Die Zeit bis Februar 2027 ist ausreichend, wenn du sie strukturiert nutzt. Sinnvoll ist ein Vorgehen in vier Schritten.
Verschaffe dir zuerst einen Überblick: Welche Kampagnen in deinem Konto enthalten überhaupt noch DSA-Anzeigengruppen, und welchen Anteil am Gesamtumsatz haben sie? In vielen Konten ist DSA ein Randkanal – dann ist die Umstellung überschaubar. Ist DSA dagegen dein Hauptumsatzträger, brauchst du eine echte Testphase.
Prüfe im zweiten Schritt, ob dein Conversion-Tracking belastbar ist. Werden Formularabsendungen, Anrufe und Terminbuchungen sauber erfasst? Sind die Conversion-Werte realistisch hinterlegt? Ein System, das auf Basis falscher Werte optimiert, wird zuverlässig das Falsche skalieren.
Starte dann einen kontrollierten Test auf einer einzelnen Kampagne mit ausreichend Volumen – nicht auf dem gesamten Konto. Lass den Test mindestens vier Wochen laufen, bevor du bewertest. Kürzere Zeiträume zeigen vor allem die Lernphase, nicht die tatsächliche Leistung.
Und dokumentiere viertens die Ausgangswerte, bevor du irgendetwas umstellst: CPA, ROAS, Conversion-Rate und durchschnittlicher Bestellwert der letzten drei Monate. Ohne diese Basislinie kannst du nach der Migration nicht beurteilen, ob sich etwas verbessert oder verschlechtert hat.
Für wen sich AI Max lohnt und für wen nicht
Ein pauschales Urteil wäre unseriös. Die vorliegenden Daten deuten aber auf ein klares Muster hin: AI Max wirkt dort am besten, wo bereits ein solides Fundament steht. Kampagnen, die stark auf exakt und passiv passenden Keywords aufgebaut sind, verzeichneten in den Tests die höheren Zuwächse. Konten mit hohem Volumen, sauberem Tracking und inhaltlich differenzierten Landingpages profitieren also eher.
Zurückhaltung ist dagegen angebracht bei kleinen Budgets, bei stark erklärungsbedürftigen Dienstleistungen mit langen Entscheidungswegen und überall dort, wo Markenschutz eine Rolle spielt. Wenn dein Umsatz an wenigen, sehr spezifischen Suchbegriffen hängt, bringt dir zusätzliche Reichweite in angrenzende Themenfelder keinen Nutzen – sondern verteuert deinen CPA.
Wer seine Kampagnen professionell betreuen lässt, sollte das Thema aktiv ansprechen. Eine gute Betreuung für Meta und Google Ads hat den Migrationsplan längst auf dem Tisch und kann dir sagen, welche deiner Kampagnen betroffen sind und in welcher Reihenfolge umgestellt wird.
Häufige Fragen
Muss ich meine Dynamic Search Ads selbst umstellen?
Nein – die Migration erfolgt im Februar 2027 automatisch. Der Punkt ist ein anderer: Bei einer automatischen Umstellung bekommst du die Standardkonfiguration. Wer vorher selbst umstellt, kann Ausschlüsse, Assets und Zielseitenlogik vorbereiten und die Leistung während einer ruhigen Phase beobachten statt mitten im Tagesgeschäft.
Kann ich AI Max nach der Migration wieder deaktivieren?
AI Max ist eine Einstellung auf Kampagnenebene und lässt sich grundsätzlich wieder ausschalten. Was sich nicht rückgängig machen lässt, ist die Abschaffung der DSA-Anzeigengruppen selbst: Ab Februar 2027 können keine neuen mehr erstellt werden. Der Weg zurück führt also zu klassischen Keyword-Anzeigengruppen, nicht zu DSA.
Wie wirkt sich das auf mein Reporting aus?
Deutlich. Weil das System Suchanfragen erschliesst, die keinem deiner Keywords zugeordnet sind, verschiebt sich ein Teil der Auswertung in den Suchbegriffsbericht. Vergleiche mit Vorjahreswerten auf Keyword-Ebene werden dadurch unschärfer. Plane ein, deine Reporting-Logik anzupassen – am besten bevor die Migration läuft, damit du eine saubere Vergleichsbasis behältst.
Fazit
Die Verschiebung auf Februar 2027 ist kein Grund zur Entwarnung, sondern ein Zeitfenster. Wer es nutzt, stellt kontrolliert um, testet auf einer Kampagne und geht mit dokumentierten Ausgangswerten in die Migration. Wer es verstreichen lässt, bekommt die Umstellung trotzdem – nur eben zum von Google gewählten Zeitpunkt und in der Standardkonfiguration.
Die Zahlen zeigen dabei etwas Wichtiges: AI Max ist weder das Wundermittel aus den Ankündigungen noch der Leistungskiller aus den Foren. Es ist ein Verstärker. Es macht gut aufgestellte Konten besser und schlecht gepflegte Konten teurer. Der Hebel liegt also nicht in der Einstellung selbst, sondern in dem, was du ihr an Daten, Zielseiten und Leitplanken mitgibst. Genau daran solltest du die verbleibenden Monate verwenden.
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